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Sehfehler und Sehprobleme

Die Augen sind unser wichtigstes und unser am besten entwickeltes Sinnesorgan. Tatsächlich ist ein weitaus größerer Teil des Gehirns dem Sehen gewidmet als dem Hören, Schmecken, Riechen oder dem Tastsinn. Wir neigen dazu, das Augenlicht für selbstverständlich zu halten; wenn jedoch Sehprobleme auftreten, werden die meisten von uns alles in ihrer Macht stehende tun, um das Sehvermögen wiederherzustellen.

Manche Sehprobleme können mit Augenkrankheiten zusammenhängen. Netzhautablösung, Makuladegeneration, Katarakt und Glaukom sind funktionelle Störungen des Auges bzw. seiner einzelnen Komponenten.

Die häufigsten Formen der Sehbehinderung sind jedoch Brechungs- oder Refraktionsfehler. Das sind Fehler in der Art und Weise, wie die Lichtstrahlen im Auge fokussiert werden, damit scharfe Bilder an das Gehirn übertragen werden können. Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus sind die häufigsten Beispiele für solche refraktiven Störungen, die auch auftreten, wenn die Augen ansonsten völlig gesund sind. Refraktionsfehler werden in der Regel mit Brillen, Kontaktlinsen oder refraktiven Laser-Behandlungen wie LASIK korrigiert.

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit haben mit der Art und Weise zu tun, wie das Auge Bilder auf die Rückseite des Augapfels, auf die Netzhaut (Retina) fokussiert. Diese besteht aus lichtempfindlichen Sinneszellen und mehreren Schichten Nervengewebe und wandelt die Lichtsignale in elektrische Impulse um, die der Sehnerv ins Gehirn leitet.

Bilder, die nicht genau auf der Netzhaut abgebildet werden, erscheinen verschwommen. Werden entfernte Objekte verschwommen gesehen, spricht man von Kurzsichtigkeit oder Myopie.

Weitsichtigkeit ist das Gegenteil von Kurzsichtigkeit. Das Auge fokussiert die Bilder leicht hinter der Netzhaut, wodurch Objekte in der Nähe verschwommen erscheinen. In der Entfernung sieht ein Weitsichtiger gut.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Kurzsichtig sind Sie, wenn es Ihnen Probleme bereitet, weit entfernte Objekte wie Autobahnschilder erst dann klar zu sehen, wenn Sie näher gekommen sind, ein Buch jedoch problemlos lesen können. Kurzsichtigkeit ist eine ziemlich häufige Erkrankung, sie betrifft fast 30% der Bevölkerung. Ihr Augenarzt kann das Problem normalerweise mit Brillen, Kontaktlinsen oder einer Laseroperation am Auge beheben.

Was verursacht Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit (Myopie) entsteht entweder, wenn Ihr Augapfel zu lang ist oder die Hornhaut – die schützende äußere Schicht Ihres Auges – zu stark gekrümmt ist. In beiden Fällen wird das Licht, das in Ihr Auge eintritt, nicht richtig auf der Netzhaut des Auges fokussiert. Das Bild ist nämlich nicht direkt auf der Netzhaut, sondern etwas vor der Netzhaut scharf. Dies führt zu einer verschwommenen Sicht im Fernbereich.

Diagnose und Behandlung

Mit einer Augenuntersuchung kann der Arzt oder Optiker messen, ob Sie kurzsichtig sind. Brillen, Kontaktlinsen oder refraktive Chirurgie können das Problem normalerweise beheben. Die Stärke von Brillen oder Kontaktlinsen wird in Dioptrien gemessen, wobei Kurzsichtigkeit mit negativen Zahl angegeben wird. Je negativer die Zahl ist, desto kurzsichtiger sind Sie und desto stärker sind Ihre Linsen. Zum Beispiel ist –3,00 stärker als –2,50.

Eine Augenoperation kann Ihr Sehvermögen so stark verbessern, dass Sie möglicherweise nie wieder eine Brille oder Kontaktlinsen benötigen. Informationen zu den häufigsten Verfahren finden Sie hier.

Folgeerkrankungen bei starker Kurzsichtigkeit

Bei sehr starker Kurzsichtigkeit kann der Augapfel so stark verformt sein, dass andere Augenerkrankungen häufiger werden, wie Netzhautablösung, Grauer Star (Katarakt) oder Grüner Star (Glaukom).

Degenerative Myopie: Auch maligne Myopie genannt, ist eine seltene Erbkrankheit. Auch hier ist der Augapfel zu lang, was schwere Kurzsichtigkeit (mehr als –6 Dioptrien) verursacht, die meist im Teenager- oder frühen Erwachsenenalter auftritt und sich bis ins Erwachsenenalter weiter verschlechtern kann. Auch hier besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Netzhautablösung, abnormales Blutgefäßwachstum im Auge und Glaukom.

Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen

In Deutschland sind 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen kurzsichtig und rund 50 Prozent der Studenten. Tendenz steigend. Für die Entwicklung von Kurzsichtigkeit spielen neben genetischen Faktoren auch Umweltfaktoren wie Bildung, Beruf und Freizeitgestaltung, aber vor allem die veränderten Sehgewohnheiten bei Kindern und Jugendlichen eine Rolle. Zu viel Naharbeit und zu häufiger Aufenthalt in Innenräumen scheinen das Längenwachstum des Augapfels und damit die Kurzsichtigkeit zu fördern. Tageslicht hingegen, wirkt positiv auf das Sehvermögen, denn es ist viel intensiver! Während Innenbeleuchtung zwischen 300 und 500 Lux liegt, beträgt die Lichtstärke im Freien zwischen 10.000 Lux (Regentag) und 100.000 Lux im Sonnenlicht. Auch sportliche Betätigung vor allem im Freien kann sich positiv auf die Sehentwicklung auswirken.

Diese Sehgewohnheiten fördern die Entwicklung von Kurzsichtigkeit:

  • Zu viel Aufenthalt in Innenräumen (zu wenig Licht).
  • Sehr viel Naharbeit mit weniger als 30 cm Abstand (z.B. Lesen, Smartphone Nutzung)

Diese Sehgewohnheiten wirken gegen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit:

  • Aufenthalt im Freien (mindestens zwei Stunden täglich)
  • Blick in wechselnde Entfernungen, z.B. beim Sport

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Wenn Sie Dinge gut sehen, die weit weg sind, aber alles in der Nähe verschwommen aussieht, sind Sie wahrscheinlich weitsichtig. Kinder mit leichter bis mittelschwerer Weitsichtigkeit können sowohl in die Nähe wie auch in die Ferne ohne Korrektur sehen, da die Muskeln und Linsen in ihren Augen noch sehr flexibel sind und die Weitsichtigkeit ausgleichen können. Wenn Sie aber älter werden, wird das schwieriger und sie brauchen eine Korrektur.

Ursachen der Weitsichtigkeit

Ihre Augen (Hornhaut und Linse) fokussieren Lichtstrahlen normalerweise direkt auf der Oberfläche Ihrer Netzhaut, die den hinteren Teil des Augapfels innen auskleidet. Wenn Ihr Augapfel zu kurz ist oder die Brechkraft der Hornhaut zu schwach ist, wird das Bild erst hinter der Netzhaut fokussiert. Das lässt die Dinge, die in der Nähe sind, verschwommen aussehen.

Diagnose und Behandlung

Mit einer Augenuntersuchung kann der Augenarzt oder Optiker feststellen, ob Sie weitsichtig sind. Brillen, Kontaktlinsen oder eine chirurgische Sehkorrektur können Ihren Sehfehler korrigieren. Die Stärke von Brillen oder Kontaktlinsen wird in Dioptrien angegeben, wobei Weitsichtigkeit mit positiven Zahlen beschrieben wird. Je größer die Zahl ist, desto stärker ist Ihre Weitsichtigkeit.

Wenn Sie keine Brille oder Kontaktlinsen tragen wollen, kann eine Augenoperation die Lösung sein. Die häufigste Methode zur Korrektur der Weitsichtigkeit ist LASIK. Mehr Informationen zu diesem und andren Verfahren der Laserkorrektur finden Sie hier.

Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt über die Methoden, die zur Behandlung Ihrer Sehstörung möglich sind.

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Die Hauptbrechkraft des Auges (fast zwei Drittel) wird durch die Hornhaut geleistet, also die klare Haut über Pupille und Iris. Die normale Hornhaut hat eine halbkugelförmige Kontur, ähnlich einem Baseball. Wenn die zentrale Hornhaut jedoch nicht symmetrisch oder uneinheitlich ist, sprechen wir von Hornhautverkrümmung oder Astigmatismus.

Astigmatismus tritt oft kombiniert mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit auf. Menschen mit Astigmatismus können ein zufälliges, inkonsistentes Sehmuster haben, wobei einige Objekte klar und andere verschwommen erscheinen. Astigmatismus ist normalerweise von Geburt an vorhanden, wird aber manchmal erst später im Leben erkannt und ändert sich im Laufe der Zeit nur sehr wenig. Man kann Astigmatismus meist vollständig durch Brillen oder Kontaktlinsen oder eine Augenoperation korrigieren.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Den Wechsel von Nah- auf Fernsicht und wieder zurück nennt man Fokussierung oder Akkommodation. Das wird durch eine Veränderung der Linsenkrümmung im Auge erreicht. Beim In-die-Ferne-Blicken ist die Linse in ihrer Ruhestellung. Fokussiert man in die Nähe, kontrahieren sich die Muskeln rings um die Linse, und die Linse wölbt sich, wodurch sich ihre Brechkraft erhöht. Diese Fähigkeit zur Nahfokussierung nimmt mit zunehmendem Alter ab. Presbyopie oder Alterssichtigkeit bedeutet, dass Personen mit meist normaler Fernsicht Objekte in Leseentfernung nur verschwommen sehen. Presbyopie beginnt in der Regel etwa im Alter von 40 Jahren und ist der Grund, warum die meisten älteren Erwachsenen auf eine Lesebrille angewiesen sind. Alterssichtigkeit ist es keine Krankheit, sondern ein natürlicher Teil des Alterungsprozesses.

Presbyopie wird oft mit Weitsichtigkeit verwechselt, aber die beiden haben unterschiedliche Ursachen: Presbyopie tritt auf, wenn die natürliche Linse im Auge weniger flexibel wird. Weitsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel zu kurz ist oder die Brechkraft der Hornhaut zu schwach ist.

Alterssichtigkeit ist leicht zu korrigieren. Detaillierte Informationen zur Behandlung der Alterssichtigkeit finden Sie hier.

Netzhautablösung

Die Zellen der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen, wandeln das Licht, das ins Auge gelangt, in Nervenimpulse um. Stellen Sie sich die Netzhaut als Tapete vor, die die innere Rückwand des Augapfels auskleidet. Im Gegensatz zu Tapeten gibt es jedoch keinen Kleber. Kleine Löcher können in Bereichen entstehen, in denen die Netzhaut sehr dünn oder vielleicht beschädigt ist. Durch diese Löcher kann die klare Flüssigkeit, die den Glaskörper des Auges bildet, hinter die Netzhaut sickern und dazu führen, dass sich die Tapete vom Augapfel ablöst. Dies nennt man Netzhautablösung.

Obwohl eine Netzhautablösung nicht schmerzhaft ist, muss sie dringend medizinisch behandelt werden. Wenn die Netzhaut nämlich nicht sofort wieder an der Augenwand befestigt wird, werden die Zellen der Netzhaut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und können absterben. Das kann zu bleibender Erblindung führen.

Risikofaktoren für Netzhautablösung sind:

  • starke oder extreme Kurzsichtigkeit
  • vorherige Augenoperation oder Verletzung
  • vorherige Netzhautablösung
  • erblich zu dünne Netzhaut

Symptome einer Netzhautablösung

Folgende Symptome können auf eine Netzhautablösung hindeuten:

  • Sehen von Blitzen
  • das plötzliche Auftreten von dichten schwarzen oder roten Flecken im Gesichtsfeld (Rußregen)
  • vorhang- und balkenartige Gesichtsfeldeinschränkungen

Jedoch kann eine Netzhautablösung auch völlig symptomfrei auftreten und erst bei Erreichen der Makula sichtbar werden, beispielsweise durch eine verzerrte Darstellung, vergleichbar mit einem Fehler in einem Glas.

Therapie der Netzhautablösung

Ist die Netzhaut eingerissen, hat sich aber noch nicht abgelöst, kann sie mit einem Laser “verklebt” werden, wodurch sich häufig eine Netzhautablösung verhindern lässt. Hat sich die Retina jedoch bereits abgelöst, hilft eine Laserbehandlung nicht mehr. In diesem Fall sollte das Auge schnellst möglich operiert werden. Welche Methode dabei zum Einsatz kommt, hängt von der Form der Netzhautablösung ab.